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Pflege im Gefängnis – ein Berufsfeld mit besonderen Anforderungen

Die Pflege im Gefängnis ist ein noch weitgehend unbekanntes, jedoch hochrelevantes Berufsfeld im deutschen Gesundheitswesen. Pflegekräfte, die im Justizvollzug tätig sind, arbeiten an der Schnittstelle von medizinischer Versorgung, sozialer Betreuung und Sicherheitsmanagement. Sie tragen eine enorme Verantwortung – sowohl für die Gesundheit der Inhaftierten als auch für die Stabilität im Gefängnisalltag.

In Haftanstalten leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen. Viele leiden unter chronischen Erkrankungen, psychischen Störungen oder Suchtproblemen. Gleichzeitig sind medizinische Ressourcen in Gefängnissen begrenzt, und der Zugang zu Spezialist:innen ist oft erschwert. Pflegefachkräfte übernehmen daher eine zentrale Rolle – sie sind meist die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Beschwerden und koordinieren weiterführende Maßnahmen.

Der Berufsalltag ist geprägt von strukturierten Abläufen, hoher Eigenverantwortung und einem engen Zusammenspiel mit anderen Berufsgruppen wie Ärzt:innen, Psycholog:innen, Sozialarbeiter:innen und Justizvollzugsbeamten. Zu den typischen Aufgaben zählen die Durchführung von Pflegesprechstunden, Medikamentenvergabe, Versorgung chronisch kranker Gefangener, Wundversorgung, Hygieneberatung sowie psychologische Erstbetreuung in Krisensituationen. Auch administrative Tätigkeiten wie Dokumentation und Berichtswesen sind ein fester Bestandteil der Arbeit.

Doch es sind nicht nur die medizinischen Herausforderungen, die diesen Beruf so besonders machen. Pflegekräfte im Gefängnis benötigen ein hohes Maß an sozialer Kompetenz, Resilienz und Fingerspitzengefühl. Sie bewegen sich in einem Umfeld, das stark von Hierarchien, Vorschriften und Sicherheitsvorgaben geprägt ist. Gleichzeitig treffen sie auf Menschen, die oft traumatisiert, misstrauisch oder aggressiv sind – und doch Anspruch auf eine würdevolle medizinische Versorgung haben.

Wer in diesem Bereich arbeiten möchte, sollte neben einer abgeschlossenen Ausbildung als Pflegefachkraft idealerweise Erfahrung in der psychiatrischen Pflege oder Notfallmedizin mitbringen. Zusätzliche Qualifikationen im Bereich Deeskalation oder interkulturelle Kommunikation sind von Vorteil. Die Tätigkeit wird nach Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD/TV-L) vergütet – inklusive attraktiver Zulagen für die Arbeit unter besonderen Bedingungen. Auch planbare Arbeitszeiten und feste Strukturen machen den Job für viele Pflegekräfte besonders attraktiv.

Pflege im Justizvollzug bedeutet: medizinisch handeln, menschlich begleiten und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Für Pflegefachkräfte, die mehr wollen als Routine, ist dieses Arbeitsfeld eine sinnvolle, herausfordernde und erfüllende Alternative.

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