Vier-Tage-Woche Pflege – Chancen, Herausforderungen & Lösungen

Einführung

Die Pflegebranche steht in Deutschland wie kaum eine andere im Spannungsfeld zwischen steigendem Bedarf, Fachkräftemangel und hohen Belastungen der Mitarbeitenden. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Arbeitszeitmodell der Vier-Tage-Woche Pflege zunehmend an Aufmerksamkeit. Ziel ist es, die Attraktivität des Pflegeberufs zu steigern, die Work-Life-Balance zu verbessern und damit auch die Versorgungsqualität langfristig zu sichern.

In diesem Beitrag werden aktuelle Entwicklungen zum Modell der Vier-Tage-Woche in der Pflege dargestellt, mögliche Auswirkungen beleuchtet und Lösungsansätze aufgezeigt, wie dieses Modell praktikabel umgesetzt werden kann.


Aktuelle Entwicklung

  • Pilotprojekte und Tests
    In mehreren Kliniken und Pflegeeinrichtungen in Deutschland wird derzeit erprobt, wie eine Vier-Tage-Woche funktionieren könnte. Beispielsweise testet eine Münchener Klinik ein neues Arbeitszeitmodell, bei dem Pflegekräfte freiwillig in ein Modell wechseln können, bei dem sie vier Tage pro Woche arbeiten – bei gleichbleibender Wochenarbeitszeit. ZDFheute
    Ein weiteres Beispiel ist der Pilotversuch des Deutschen Roten Kreuzes in Sangerhausen, bei dem die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 40 auf 36 Stunden reduziert wird, verteilt auf vier Tage. Rechtsdepesche
  • Gesetzliche und tarifliche Diskussionen
    Die Debatte um gesetzliche Rahmenbedingungen, wie Arbeitszeitgesetze, Tarifverträge und Lohnausgleiche, ist in vollem Gange. Gewerkschaften, Parteien und Arbeitnehmervertretungen fordern, dass eine Vier-Tage-Woche ohne Lohneinbußen möglich sein muss. Rechtsdepesche
  • Stimmen der Mitarbeitenden & Studien
    Studien und Umfragen zeigen, dass ein großer Teil der Pflegekräfte offen ist für alternative Arbeitszeitmodelle. Viele erwarten eine Verbesserung ihrer Lebensqualität und eine Verringerung gesundheitlicher Belastungen. Deutsches Medizinrechenzentrum

Auswirkungen

Chancen

  1. Mitarbeiterzufriedenheit & Bindung
    Mit zusätzlichen freien Tagen steigt häufig die Zufriedenheit. Einige Pilotversuche berichten, dass Mitarbeitende weniger überfordert sind und seltener kündigen. Deutsches Medizinrechenzentrum
  2. Gesundheit und Work-Life-Balance
    Weniger Stress, bessere Erholungsphasen, geringere Fehlzeiten: Diese Effekte werden in mehreren Studien beobachtet. Deutschlandfunk Kultur
  3. Attraktivität des Berufs & Fachkräftegewinnung
    Um in Zeiten des Fachkräftemangels Pflegekräfte zu gewinnen und zu halten, könnte die Vier-Tage-Woche ein wichtiges Element sein. Rechtsdepesche
  4. Qualitätsverbesserung in der Pflege
    Längere tägliche Präsenz kann mehr Zeit für Übergaben, Dokumentation oder Weiterbildung bringen, was sich positiv auf die Pflegequalität auswirken kann. Rechtsdepesche

Herausforderungen

  1. Längere Schichten und Belastung
    Wenn die Wochenarbeitszeit beibehalten wird, führen längere Arbeitszeiten pro Tag (z. B. 9-12 Stunden) zu größerer körperlicher und psychischer Belastung. Medifox DAN
  2. Komplexere Dienstplanung
    Es wird aufwendiger, Schichten und Einsatzzeiten zu koordinieren – gerade in großen Einrichtungen oder mit vielen Teilzeitkräften. Medi-Karriere
  3. Kosten und Personalbedarf
    Um gleiche Versorgung sicherzustellen, könnten mehr Mitarbeitende benötigt werden oder Zusatzkosten durch Überlappungszeiten und Personalreserve entstehen. Rechtsdepesche
  4. Gesetzliche und tarifliche Hürden
    Arbeitszeitgesetze, Arbeitsruhezeiten, Nachtschichten, Zuschläge etc. müssen berücksichtigt werden. Ohne Anpassung von Gesetzen und Tarifverträgen kann Umsetzung schwierig oder rechtlich riskant sein. Medi-Karriere

Lösungsansätze

Um die Vier-Tage-Woche in der Pflege wirkungsvoll und fair einzuführen, sind verschiedene Maßnahmen nötig:

  1. Flexibles Modell gestalten
    • Optionen mit und ohne Reduzierung der Wochenarbeitszeit anbieten.
    • Mitarbeitende sollten mit entscheiden dürfen („freiwillig“) und Modelle nach Bereich (Station, Schichttyp) differenzieren.
    • Beispiel: Komprimierte Arbeitszeit (mehr Stunden an Arbeitstagen) vs. tatsächliche Stundenkürzung. Sinceritas
  2. Lohngerechtigkeit sicherstellen
    Ein vollumfänglicher Lohnausgleich ist zentral, damit das Modell nicht zu Einkommensverlust führt – insbesondere für Pflegekräfte mit Familien oder bei hoher physischer Belastung. AerzteZeitung.de
  3. Dienstplanung und Personaleinsatz optimieren
    • Optimierung der Übergabezeiten und Überschneidungen.
    • Einsatz von Teilzeitkräften, Ausgleichszeiten und eventuell zusätzlicher Personalreserve.
    • Einsatz moderner Tools und Technologien, z. B. für digitale Dokumentation, Automatisierung administrativer Aufgaben. Rechtsdepesche
  4. Gesundheitsschutz beachten
    Maßnahmen zur Vermeidung von Überlastung sind essenziell:
    • angemessene Pausen
    • Erholungszeiten zwischen Schichten
    • Unterstützung bei körperlich belastenden Aufgaben (Unterstützung, Hilfsmittel, ergonomische Schulungen)
  5. Gesetzliche und tarifvertragliche Rahmenbedingungen anpassen
    • Arbeitszeitgesetz muss flexible Interpretationen erlauben bzw. weiterentwickelt werden.
    • Tarifverträge, Zuschläge, Überstundenregelungen usw. so gestalten, dass neue Modelle rechtlich sauber abgedeckt sind.
    • Politische Entscheidungsträgerinnen und -träger einbeziehen.
  6. Pilotprojekte evaluieren und Wissen verbreiten
    • Mehr wissenschaftlich begleitete Tests und Studien zur Vier-Tage-Woche Pflege durchführen.
    • Erfahrungen aus erfolgreichen Piloten (z. B. Klinik, Pflegeheim) dokumentieren und öffentlich sichtbar machen.
    • Netzwerke und Erfahrungsaustausch zwischen Einrichtungen, Gewerkschaften, Politik.

Fazit

Die Vier-Tage-Woche Pflege bietet echte Chancen, etwa zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, Verbesserung der Gesundheitslage der Pflegekräfte und zur Gewinnung neuer Fachkräfte. Gleichzeitig bestehen jedoch erhebliche Herausforderungen, besonders hinsichtlich Dienstplanung, Belastung und gesetzlichen Vorgaben.

Ein sinnvoller Weg ist es, die Vier-Tage-Woche als wahlweise und flexibel gestaltetes Modell zu etablieren, das in einzelnen Bereichen erprobt und angepasst wird. Lohngerechtigkeit, Gesundheitsschutz und Anpassungen auf gesetzlicher Ebene sind Voraussetzungen, damit dieses Modell nachhaltig und fair funktioniert.

Für Einrichtungen, die diesen Weg gehen, gilt: Eine sorgfältige Planung, gute Partizipation der Mitarbeitenden und kontinuierliche Evaluation sind entscheidend.


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