Feiertagszuschlag in der Pflege 2026/2027: TVöD, Weihnachten und Berechnung

Wer an Weihnachten, Ostern, am 1. Mai oder an einem anderen gesetzlichen Feiertag im Krankenhaus oder Pflegeheim arbeitet, fragt sich häufig: Wie hoch ist der Feiertagszuschlag in der Pflege? Die Antwort hängt vom Tarifvertrag, einem möglichen Freizeitausgleich und den tatsächlich geleisteten Stunden ab. Außerdem ist zwischen einem Anspruch auf Vergütung und der steuerlichen Behandlung zu unterscheiden.

Feiertagszuschlag in der Pflege: Das Wichtigste

  • In Deutschland begründet das Einkommensteuerrecht keinen allgemeinen Anspruch auf einen bestimmten Feiertagszuschlag.
  • Nach § 8 TVöD beträgt der Zeitzuschlag für Feiertagsarbeit grundsätzlich 35 % mit Freizeitausgleich beziehungsweise 135 % ohne Freizeitausgleich.
  • Für den Anspruch und die Berechnung gelten die jeweils maßgeblichen tariflichen Regelungen, einschließlich besonderer Tarifteile.
  • Steuerfreiheit nach § 3b EStG bedeutet nicht, dass Beschäftigte automatisch Anspruch auf 125 % oder 150 % Zuschlag hätten.
  • Gesetzliche Feiertage unterscheiden sich teilweise nach Bundesland und Arbeitsort.

Wie hoch ist der Feiertagszuschlag nach TVöD?

Nach § 8 Abs. 1 TVöD sind Feiertags-Zeitzuschläge grundsätzlich neben dem Entgelt für die tatsächliche Arbeitsleistung vorgesehen. Für Feiertagsarbeit nennt die Regelung zwei unterschiedliche Sätze:

Feiertagsarbeit im TVöD Zeitzuschlag
Mit Freizeitausgleich 35 %
Ohne Freizeitausgleich 135 %

Die tarifliche Berechnungsbasis ist nicht in jeder Konstellation schlicht der individuelle Gesamtstundenlohn. § 8 TVöD stellt für Zeitzuschläge grundsätzlich auf den Stundenanteil des Tabellenentgelts der Stufe 3 der jeweiligen Entgeltgruppe ab, soweit keine besonderen Regeln gelten. Für eine konkrete Abrechnung müssen deshalb Entgeltgruppe, Tarifbereich und die einschlägige Tabellenfassung geprüft werden.

Beispielrechnung: Feiertagszuschlag in der Pflege

Angenommen, die für den Zeitzuschlag maßgebliche tarifliche Stundenbasis beträgt 25 Euro und du leistest acht zuschlagspflichtige Stunden an einem Feiertag. Die folgenden Zahlen zeigen nur den Zeitzuschlag, nicht das gesamte Arbeitsentgelt:

Konstellation Rechnung Zeitzuschlag
Mit Freizeitausgleich (35 %) 8 × 25 € × 0,35 70 €
Ohne Freizeitausgleich (135 %) 8 × 25 € × 1,35 270 €

Die Frage, wann und wie Freizeitausgleich zu gewähren ist, wird durch die maßgeblichen Tarifregelungen näher bestimmt. Die Beispiele ersetzen keine individuelle Lohnabrechnung.

Sind Feiertagszuschläge steuerfrei?

Nach § 3b EStG können tatsächlich gezahlte Zuschläge für tatsächlich geleistete Feiertagsarbeit unter Voraussetzungen steuerfrei bleiben. Die maßgeblichen Höchstgrenzen unterscheiden sich:

Arbeitstag und Zeitraum Steuerfreie Obergrenze des Zuschlags
Gesetzlicher Feiertag im Allgemeinen 125 % des maßgeblichen Grundlohns
31. Dezember ab 14 Uhr 125 %
24. Dezember ab 14 Uhr 150 %
25. und 26. Dezember 150 %
1. Mai 150 %

Für die lohnsteuerliche Berechnung ist der Grundlohn nach § 3b EStG auf höchstens 50 Euro je Stunde begrenzt. Für die Sozialversicherungsfreiheit gelten teilweise abweichende Grenzen. Eine steuerfreie Obergrenze ist kein gesetzlicher Mindestzuschlag. Beispielsweise kann ein vereinbarter Feiertagszuschlag niedriger sein.

Weihnachten 2026 und 2027: Was gilt für Pflegekräfte?

Der 25. und 26. Dezember sind gesetzliche Feiertage. Für tatsächlich geleistete Stunden greifen die einschlägigen tariflichen oder vertraglichen Zuschlagsregelungen. Für die steuerliche Behandlung sieht § 3b EStG an diesen beiden Tagen eine erhöhte Grenze von 150 % vor. Heiligabend am 24. Dezember ist dagegen kein bundesweiter gesetzlicher Feiertag. Steuerlich begünstigt ist nach § 3b EStG Arbeit an diesem Tag ab 14 Uhr. Der TVöD enthält für den 24. Dezember eigene Zeitzuschlagsregelungen, die davon zu unterscheiden sind.

Silvester: Gibt es einen Feiertagszuschlag?

Auch Silvester am 31. Dezember ist bundesweit kein gesetzlicher Feiertag. Nach § 3b EStG können Zuschläge für tatsächlich geleistete Arbeit ab 14 Uhr bis zur dort genannten Grenze steuerfrei sein. Im TVöD ist für die Arbeit am 31. Dezember ab 6 Uhr ein eigener Zuschlag vorgesehen. Die Zeitgrenzen für Tarifzuschlag und Steuerfreiheit sind also nicht identisch.

Ostern: Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag

Karfreitag und Ostermontag sind bundesweit gesetzliche Feiertage. Ostersonntag ist dagegen nicht in allen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag. Deshalb kann es Unterschiede in der Anwendung von Feiertagsregelungen geben. Ob und in welcher Höhe ein Zuschlag entsteht, bestimmt sich nach dem anwendbaren Tarifvertrag und dem Feiertagsrecht am Arbeitsort.

Was passiert, wenn ein Feiertag auf einen Sonntag fällt?

Das Zusammentreffen von Sonn- und Feiertagsarbeit führt nicht automatisch dazu, dass beide tariflichen Zuschläge addiert werden. Nach § 8 TVöD wird beim Zusammentreffen bestimmter Zeitzuschläge grundsätzlich nur der höchste gezahlt. Auch steuerrechtlich sind Zuschläge für dieselbe Arbeitszeit nach den einschlägigen Regeln zu beurteilen. Maßgeblich ist immer die konkrete tarifliche und tatsächliche Konstellation.

Feiertagsarbeit mit und ohne Freizeitausgleich

Der TVöD unterscheidet ausdrücklich, ob ein tariflich relevanter Freizeitausgleich gewährt wird. Ohne Freizeitausgleich liegt der tarifliche Zeitzuschlag grundsätzlich bei 135 %, mit Freizeitausgleich bei 35 %. Daraus folgt nicht, dass Beschäftigte in jedem Fall frei zwischen mehr Geld und einem freien Tag wählen können. Die Einzelheiten ergeben sich aus Arbeitszeitregelungen und Tarifrecht.

Für die Dienstplanung gelten zudem die arbeitszeitrechtlichen Grenzen und Ausgleichsregeln, die wir im Beitrag Arbeitszeitgesetz in der Pflege näher erläutern.

Welche Zuschläge gelten bei privaten und kirchlichen Arbeitgebern?

Der TVöD gilt nicht automatisch für jedes Krankenhaus oder Pflegeheim. Im privaten, freigemeinnützigen und kirchlichen Bereich können andere Tarifverträge, Arbeitsvertragsrichtlinien oder individualvertragliche Regelungen gelten. Wer den eigenen Zuschlag prüfen möchte, sollte sich daher nicht allein an TVöD-Prozentzahlen orientieren.

Einen Überblick über verschiedene Tarifmodelle bietet der Beitrag Tarifvertrag Pflege: TVöD, TV-L, AVR und private Arbeitgeber.

Feiertagszuschlag bei Nachtdienst: Werden die Zuschläge addiert?

Wer über einen Feiertag hinweg Nachtdienst leistet, kann unterschiedliche zuschlagspflichtige Zeitabschnitte haben. Der TVöD sieht Regeln zum Zusammentreffen mehrerer Zuschläge vor; insbesondere können Nacht- und Feiertagszuschläge unter den jeweiligen Voraussetzungen nebeneinander relevant sein. Steuerrechtlich sind tatsächlich geleistete Nacht- und Feiertagsstunden gesondert nach § 3b EStG zu beurteilen. Eine genaue Berechnung benötigt Uhrzeiten und eine zutreffende Lohnartenzuordnung.

Siehe auch Nachtzuschlag in der Pflege, Schichtzulage in der Pflege und unseren Ratgeber zum Zusatzurlaub bei Schichtarbeit. Zuschläge und Zusatzurlaub sind dabei unterschiedliche Ansprüche.

Feiertagsdienst prüfen: Checkliste für die Abrechnung

  1. Den tatsächlich geleisteten Dienst und die Uhrzeiten anhand des Dienstplans feststellen.
  2. Prüfen, ob der Tag am Arbeitsort ein gesetzlicher Feiertag war.
  3. Den anwendbaren Tarifvertrag oder die Arbeitsvertragsrichtlinien feststellen.
  4. Freizeitausgleich und die dafür geltenden tariflichen Vorgaben berücksichtigen.
  5. Berechnungsbasis und ausgewiesene Zuschläge der Entgeltabrechnung vergleichen.
  6. Bei Unklarheiten die Personalabrechnung oder Arbeitnehmervertretung um eine nachvollziehbare Erläuterung bitten.

Hilfreich sind außerdem die Ratgeber Dienstplan Pflege: Wann ist er verbindlich? und TVöD Pflege 2026.

Häufige Fragen zu Feiertagszuschlägen

Bekomme ich im Krankenhaus automatisch 135 % Feiertagszuschlag?

Nein. Der Satz von 135 % ist eine tarifliche Konstellation im TVöD bei Feiertagsarbeit ohne Freizeitausgleich. Ob sie auf deinen Arbeitsplatz zutrifft, hängt vom anwendbaren Tarifrecht und den Umständen ab.

Ist Heiligabend ein gesetzlicher Feiertag?

Nein, bundesweit nicht. Tarifvertrag und Steuerrecht enthalten aber besondere Regelungen für den 24. Dezember.

Ist Ostersonntag ein Feiertag?

Das unterscheidet sich nach Bundesland. Im Zweifelsfall sind die Feiertagsregelungen am Ort der Arbeitsstätte zu prüfen.

Wie hoch ist der Feiertagszuschlag bei TVöD?

Die allgemeine Regel des § 8 TVöD sieht für Feiertagsarbeit 35 % mit beziehungsweise 135 % ohne Freizeitausgleich vor. Die konkrete tarifliche Berechnung und besondere Tarifbestimmungen sind zu beachten.

Sind 150 % Feiertagszuschlag an Weihnachten vorgeschrieben?

Nein. Die 150 % aus § 3b EStG beschreiben eine steuerliche Obergrenze für begünstigte Zuschläge, nicht den allgemeinen Vergütungsanspruch.

Fazit: Feiertagszuschläge richtig einordnen

Für Pflegekräfte können Feiertagsdienste einen finanziellen Ausgleich bedeuten. Entscheidend ist jedoch, dass Tarifanspruch, Freizeitausgleich und Steuerfreiheit auseinandergehalten werden. Wer die eigene Abrechnung kontrolliert, sollte zuerst den Tarifbereich und die tatsächlich geleisteten Feiertagsstunden prüfen.

Vergleichst du Arbeitsbedingungen verschiedener Arbeitgeber? Auf 360GradGesundheit findest du Informationen zu Pflegejobs und Karrierewegen.

Offizielle Quellen

Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Prüfung von Tarifvertrag und Entgeltabrechnung.

Zuletzt fachlich geprüft am 17.10.2026.

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