Pflege auf dem Land: Warum der Fachkräftemangel ländliche Regionen besonders trifft

Einführung

Der Fachkräftemangel in der Pflege betrifft ganz Deutschland. In vielen ländlichen Regionen verschärfen jedoch große Entfernungen, eine alternde Bevölkerung und die Abwanderung jüngerer Menschen die Situation. Ambulante Pflegedienste müssen längere Wege zurücklegen, Einrichtungen finden schwerer Personal und Angehörige können Unterstützungsangebote häufig nicht kurzfristig nutzen.

Dabei geht es nicht allein um fehlende Pflegekräfte. Entscheidend ist, ob Pflegebedürftige auch außerhalb größerer Städte eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung erhalten.

Warum ländliche Regionen besonders betroffen sind

Demografischer Wandel und Abwanderung

Strukturschwache ländliche Regionen verlieren teilweise jüngere und qualifizierte Einwohnerinnen und Einwohner. Gleichzeitig steigt dort der Anteil älterer Menschen. Dadurch wächst der Pflegebedarf, während das Erwerbspersonenpotenzial sinkt.

Diese Entwicklung verläuft regional unterschiedlich. Wachsende ländliche Regionen im Umfeld größerer Städte sind nicht automatisch genauso betroffen wie abgelegene Gebiete mit Bevölkerungsrückgang. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beschreibt jedoch insbesondere für strukturschwache Regionen eine Verbindung aus Abwanderung, Fachkräftemangel und dem Rückgang örtlicher Angebote der Daseinsvorsorge. BBSR: Region gestalten

Steigender Personalbedarf

Nach der Pflegekräftevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes werden bis 2049 mindestens rund 280.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. In einer ungünstigeren Modellvariante könnte sich eine Versorgungslücke von bis zu etwa 690.000 Pflegekräften ergeben.

Diese Zahlen sind keine sichere Vorhersage, sondern Modellrechnungen. Sie hängen unter anderem davon ab, wie sich Beschäftigungsumfang, Personalgewinnung und Personalbindung entwickeln. Dennoch zeigen sie die Größenordnung der Herausforderung. Destatis: Pflegekräftevorausberechnung bis 2049

Hinzu kommt: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit werden in den kommenden zehn Jahren voraussichtlich rund 389.000 Beschäftigte in Pflegeberufen altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Die Arbeitslosenquote examinierter Pflegefachkräfte lag 2025 gleichzeitig bei lediglich 1,1 Prozent. Das spricht für eine weitgehend ausgeschöpfte Personalreserve. Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarktsituation in den Pflegeberufen

Die häufig genannte Aussage, auf jede offene Pflegestelle kämen 1,4 arbeitslose Pflegekräfte, ist hingegen wenig aussagekräftig. Der Großteil der arbeitslos gemeldeten Personen sucht eine Tätigkeit auf Helferniveau, während viele offene Stellen eine abgeschlossene Fachkraftausbildung voraussetzen. Helferinnen, Pflegeassistenten und examinierte Pflegefachkräfte dürfen deshalb statistisch nicht einfach gleichgesetzt werden.

Folgen für Pflegebedürftige und Angehörige

Längere Wege und begrenzte Kapazitäten

Ambulante Pflegedienste müssen in dünn besiedelten Regionen häufig große Gebiete abdecken. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit entfällt dadurch auf Fahrten. Das erschwert eine wirtschaftliche Tourenplanung und begrenzt die Zahl der Menschen, die ein Dienst versorgen kann.

Für Pflegebedürftige kann das bedeuten:

  • weniger Auswahl zwischen Pflegediensten,
  • eingeschränkte Besuchszeiten,
  • längere Wartezeiten auf einen Versorgungsbeginn,
  • weniger Angebote am Abend und am Wochenende,
  • größere Entfernungen zu Tagespflege und Kurzzeitpflege.

Mehr Belastung für Angehörige

Fehlen professionelle Angebote, übernehmen Familien häufig zusätzliche Aufgaben. Das betrifft die Körperpflege, Medikamentenorganisation, Haushaltsführung und Begleitung zu Arztterminen ebenso wie nächtliche Bereitschaft.

Besonders schwierig wird die Situation, wenn Angehörige weiter entfernt wohnen oder gleichzeitig berufstätig sind. Eine Versorgungslücke im professionellen System wird dann zur privaten Belastung der Familie.

Weniger wohnortnahe Pflegeplätze

Nicht jede Warteliste ist unmittelbar auf Personalmangel zurückzuführen. Auch Investitionskosten, bauliche Anforderungen, Finanzierung und regionale Bedarfsplanung beeinflussen das Angebot. Fehlendes Personal kann jedoch dazu führen, dass vorhandene Plätze nicht belegt oder einzelne Wohnbereiche vorübergehend nicht betrieben werden können.

Ein leerer Platz bedeutet daher nicht automatisch, dass er tatsächlich zur Aufnahme einer pflegebedürftigen Person zur Verfügung steht.

Wachsende Unterschiede zwischen Stadt und Land

In Ballungsräumen gibt es meist mehr Einrichtungen und Fachkräfte. Dort ist der Bedarf allerdings ebenfalls hoch und Wohnraum für Beschäftigte teuer. Auf dem Land sind dagegen vor allem Entfernungen, kleine Versorgungsstrukturen und ein begrenzter Arbeitsmarkt problematisch.

Es handelt sich daher nicht um einen einfachen Gegensatz zwischen „gut versorgter Stadt“ und „schlecht versorgtem Land“. Die Ursachen und geeigneten Lösungen unterscheiden sich von Region zu Region.

Lösungsansätze für eine verlässliche Pflege auf dem Land

1. Regionale Versorgungsplanung stärken

Kommunen benötigen aktuelle Daten darüber, wo Pflegebedarfe entstehen und welche Angebote fehlen. Dazu gehören nicht nur Pflegeheime, sondern auch:

  • ambulante Pflegedienste,
  • Tages- und Nachtpflege,
  • Kurzzeitpflegeplätze,
  • Pflegeberatungsstellen,
  • Nachbarschaftshilfen,
  • Fahr- und Begleitdienste,
  • barrierefreie Wohnungen.

Im Rahmen des Ende 2025 vorgestellten „Zukunftspakts Pflege“ wurde vorgeschlagen, Kommunen und Pflegekassen mehr Möglichkeiten zur Sicherung pflegerischer Angebote in der Fläche zu geben. Dabei handelt es sich um politische Reformempfehlungen, nicht automatisch um bereits überall verfügbare Förderleistungen. Bundesgesundheitsministerium: Ergebnisse des Zukunftspakts Pflege

2. Ambulante und teilstationäre Angebote ausbauen

Nicht jeder steigende Pflegebedarf muss durch zusätzliche Heimplätze gedeckt werden. Viele Menschen möchten möglichst lange zu Hause bleiben. Dafür werden gut erreichbare ambulante Dienste, Tagespflegeangebote und flexible Entlastungsleistungen benötigt.

Kleine, miteinander vernetzte Angebote können in ländlichen Regionen geeigneter sein als eine einzelne große Einrichtung. Denkbar sind beispielsweise regionale Pflegezentren, die Beratung, Tagespflege, ambulante Versorgung und zeitweise Betreuung miteinander verbinden.

3. Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern

Neue Pflegekräfte zu gewinnen genügt nicht, wenn erfahrene Beschäftigte wegen dauerhafter Überlastung den Beruf verlassen oder ihre Arbeitszeit reduzieren.

Wichtige Maßnahmen sind:

  • verlässliche Dienstpläne,
  • ausreichend lange Erholungszeiten,
  • funktionierende Ausfallkonzepte und Springerpools,
  • tarifgerechte Vergütung,
  • weniger vermeidbare Bürokratie,
  • gute Führung und Beteiligung der Beschäftigten,
  • erreichbare Fort- und Weiterbildung,
  • Unterstützung nach psychisch belastenden Situationen.

Gerade kleinere Einrichtungen können zusätzlich mit planbaren Wunschdiensten, regionalen Kooperationen und Unterstützung bei Wohnungssuche oder Mobilität punkten.

4. Ausbildung in der Region verankern

Wer seine Ausbildung in einer Region absolviert und dort persönliche Bindungen aufbaut, bleibt mit höherer Wahrscheinlichkeit vor Ort. Deshalb sollten Pflegeschulen, Praxiseinrichtungen und Kommunen enger zusammenarbeiten.

Hilfreich sind unter anderem:

  • wohnortnahe Ausbildungsplätze,
  • ausreichend Praxisanleitung,
  • Fahrtkostenzuschüsse,
  • vergünstigter Wohnraum,
  • Kooperationen mit Schulen,
  • Angebote für Quereinsteigende und Berufsrückkehrende.

Auch die qualifizierte Pflegeassistenz kann eine wichtige Rolle spielen. Sie ersetzt keine Pflegefachkraft, kann Teams bei klar geregelten Aufgaben aber sinnvoll ergänzen.

5. Internationale Pflegekräfte fair gewinnen und integrieren

Internationale Personalgewinnung kann einen Beitrag leisten, ist aber keine kurzfristige Universallösung. Anerkennungsverfahren, Sprachförderung, Wohnungssuche, fachliche Einarbeitung und soziale Integration müssen von Anfang an eingeplant werden.

Das von der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit getragene Programm „Triple Win“ konzentriert sich derzeit auf Pflegekräfte aus den Philippinen, Tunesien, Indonesien und Indien. Es verfolgt einen staatlich begleiteten Ansatz für eine faire und nachhaltige Anwerbung. Bundesagentur für Arbeit: Programm Triple Win

Die Bundesagentur für Arbeit berichtet, dass sich die Zahl der in Deutschland beschäftigten Pflegefachkräfte mit einer Staatsangehörigkeit aus diesen vier Ländern zwischen 2015 und 2025 von etwa 2.000 auf rund 43.000 erhöht hat. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass alle diese Personen ausschließlich über Triple Win eingereist sind.

6. Digitalisierung gezielt einsetzen

Digitale Technik kann fehlendes Personal nicht ersetzen. Sie kann vorhandene Fachkräfte jedoch von Verwaltungsarbeit entlasten und räumliche Entfernungen teilweise überbrücken.

Geeignete Einsatzbereiche sind:

  • digitale Pflegedokumentation,
  • abgestimmte Tourenplanung,
  • Videosprechstunden und Telekonsile,
  • digitale Medikationspläne,
  • Hausnotruf- und Assistenzsysteme,
  • sichere Kommunikation zwischen Pflege, Arztpraxis und Angehörigen.

Telemedizin ist nach Einschätzung des Bundesgesundheitsministeriums besonders im ländlichen Raum ein wichtiger Bestandteil der Versorgung. Voraussetzung sind allerdings zuverlässige Internetverbindungen, datenschutzkonforme Systeme und verständliche Schulungen. Bundesgesundheitsministerium: Telemedizin

7. Mobilität und Wohnraum mitdenken

Ein Arbeitsplatz auf dem Land muss praktisch erreichbar sein. Fehlender öffentlicher Nahverkehr und knapper Wohnraum können die Personalgewinnung erheblich erschweren.

Kommunen und Einrichtungen können beispielsweise unterstützen durch:

  • Dienstfahrzeuge oder Fahrgemeinschaften,
  • Zuschüsse zu Fahrtkosten,
  • Personalwohnungen,
  • Kooperationen mit örtlichen Vermietern,
  • abgestimmte Arbeitszeiten und Nahverkehrsangebote,
  • Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

Was Pflegebedürftige und Angehörige tun können

Familien sollten nicht erst nach einer akuten Verschlechterung nach Unterstützung suchen. Sinnvoll ist es, frühzeitig:

  1. eine Pflegeberatung oder einen Pflegestützpunkt zu kontaktieren,
  2. mehrere ambulante Dienste anzufragen,
  3. Tages- und Kurzzeitpflegeplätze vorzumerken,
  4. einen Notfallplan für den Ausfall der Hauptpflegeperson festzuhalten,
  5. Hilfsmittel und Wohnraumanpassungen prüfen zu lassen,
  6. Vollmachten und wichtige Kontaktdaten bereitzuhalten.

Auch wenn derzeit noch keine umfangreiche Hilfe erforderlich ist, kann eine frühzeitige Beratung spätere Versorgungslücken verhindern.

Blick in die Zukunft

Die pflegerische Versorgung ländlicher Regionen wird zu einer der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre. Ohne Gegenmaßnahmen könnten einzelne Regionen Schwierigkeiten bekommen, wohnortnahe Pflege in ausreichendem Umfang bereitzustellen.

Ein flächendeckendes „Pflegeland Warteliste“ ist jedoch kein zwangsläufiges Szenario. Regionale Planung, gute Arbeitsbedingungen, Ausbildung vor Ort, faire internationale Personalgewinnung, digitale Unterstützung und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Pflegekassen können die Versorgung stabilisieren.

Entscheidend ist, nicht nur neue Pflegekräfte zu gewinnen. Ebenso wichtig ist es, vorhandene Beschäftigte im Beruf zu halten und Pflegeangebote so zu organisieren, dass sie auch über große Entfernungen zuverlässig funktionieren.

Ausgleich und Entspannung im Pflegealltag

Pflegebedürftige, Angehörige und beruflich Pflegende stehen häufig unter erheblichem Druck. Bewegungs- und Entspannungsangebote wie Qigong können das persönliche Wohlbefinden unterstützen und einen bewussten Ausgleich schaffen. Sie ersetzen jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Wenn Sie Qigong kennenlernen möchten, können Sie sich über den auf 360GradGesundheit angebotenen Onlinekurs informieren. Vor der Veröffentlichung sollte an dieser Stelle der direkte und geprüfte Link zur Kursseite eingefügt werden.

Zuletzt fachlich geprüft am 24.07.2026.

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