Klimaanpassung im Gesundheitswesen: Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Einführung: Hitze wird zur Versorgungsfrage

Längere Hitzeperioden stellen Krankenhäuser, Pflegeheime und ambulante Dienste vor wachsende Herausforderungen. Hohe Raumtemperaturen belasten nicht nur Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftige, sondern auch die Beschäftigten.

Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Säuglinge, Schwangere sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren- oder neurologischen Erkrankungen. Auch bestimmte Medikamente können die Wärmeregulation oder den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen.

Nach einer gemeinsamen Untersuchung von Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut wurden für die Sommer 2023 und 2024 jeweils ungefähr 3.000 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland geschätzt. Betroffen waren vor allem Menschen über 75 Jahre mit Vorerkrankungen.

Hitzeschutz ist daher keine reine Komfortmaßnahme. Er gehört zur Patientensicherheit, zum Arbeitsschutz und zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung.

Hitzeschutz ist ein wichtiger Bestandteil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie. Ein Green Hospital verbindet klimaresiliente Gebäude, emissionsärmere Energieversorgung, nachhaltige Beschaffung und gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen zu einem übergreifenden Konzept.

Was bedeutet „hitzebedingte Sterblichkeit“?

Hitze wird nur selten unmittelbar als Todesursache auf einem Totenschein eingetragen. Die Zahl hitzebedingter Todesfälle wird deshalb statistisch geschätzt. Dabei wird untersucht, wie stark die Sterblichkeit während heißer Perioden über dem erwartbaren Niveau liegt.

Solche Schätzungen sind mit Unsicherheiten verbunden. Sie zeigen dennoch deutlich, dass hohe Temperaturen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können.

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht während des Sommers regelmäßig einen Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität.

Warum Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen besonders betroffen sind

In Einrichtungen des Gesundheitswesens treffen mehrere Risikofaktoren aufeinander:

  • viele körperlich geschwächte Menschen
  • eingeschränkte Mobilität
  • Schwierigkeiten bei der selbstständigen Flüssigkeitsaufnahme
  • chronische Erkrankungen
  • Medikamente mit Einfluss auf Kreislauf oder Flüssigkeitshaushalt
  • hohe innere Wärmelasten durch Geräte und Beleuchtung
  • Gebäude mit großen Glasflächen
  • fehlende nächtliche Abkühlung
  • körperlich belastende Arbeit des Personals

Pflegebedürftige Menschen können außerdem Durst, Schwindel oder Überwärmung teilweise nicht rechtzeitig wahrnehmen oder mitteilen. Einrichtungen müssen deshalb aktiv beobachten und dürfen sich nicht allein darauf verlassen, dass Betroffene selbst um Unterstützung bitten.

Gesundheitliche Folgen hoher Temperaturen

Hitze kann den Körper auf unterschiedliche Weise belasten. Mögliche Folgen sind:

  • Flüssigkeits- und Elektrolytmangel
  • Blutdruckabfall
  • Schwindel und Kreislaufprobleme
  • erhöhte Sturzgefahr
  • akute Nierenschädigungen
  • Verschlechterung von Herz- und Lungenerkrankungen
  • Verwirrtheit und Unruhe
  • erhöhte Thrombosegefahr
  • Hitzeerschöpfung
  • lebensbedrohlicher Hitzschlag

Bei pflegebedürftigen Menschen können Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit, ein verändertes Gangbild oder eine geringere Urinmenge frühe Warnzeichen sein.

Auch Medikamente müssen berücksichtigt werden. Anpassungen dürfen allerdings nicht eigenmächtig vorgenommen werden. Erforderlich ist eine ärztliche oder pharmazeutische Überprüfung der Medikation und ihrer Lagerungsbedingungen.

Die 31-Milliarden-Euro-Forderung richtig einordnen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft beziffert den Investitionsbedarf für klimaneutrale und klimaresiliente Krankenhäuser auf mindestens 31 Milliarden Euro. Dazu zählt sie unter anderem:

  • moderne Gebäudehüllen
  • wirksamen Sonnenschutz
  • energieeffiziente Kühl- und Lüftungssysteme
  • moderne Wärme- und Kälteversorgung
  • Photovoltaikanlagen
  • weitere Maßnahmen zur Klimaanpassung

Bei diesem Betrag handelt es sich um eine Schätzung des Investitionsbedarfs und eine politische Forderung der Krankenhausgesellschaft. Es ist kein bereits beschlossenes Sonderprogramm, das allen Krankenhäusern in dieser Höhe zur Verfügung steht.

Die Forderung bezieht sich zudem auf den klimaneutralen und klimaresilienten Umbau der Krankenhäuser insgesamt – nicht ausschließlich auf Klimaanlagen oder kurzfristige Hitzeschutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen.

Hitzeschutzplan als Grundlage

Einrichtungsbezogener Hitzeschutz sollte vor dem Sommer vorbereitet werden. Improvisierte Einzelmaßnahmen reichen bei einer länger anhaltenden Hitzewelle häufig nicht aus.

Ein Hitzeschutzplan legt fest:

  • wer die Verantwortung trägt,
  • wie Hitzewarnungen empfangen werden,
  • welche Warnstufen gelten,
  • welche Personen besonders gefährdet sind,
  • welche Maßnahmen bei welcher Warnstufe beginnen,
  • wie Beschäftigte und Angehörige informiert werden,
  • wie Raumtemperaturen und gesundheitliche Ereignisse dokumentiert werden,
  • wie die Maßnahmen nach dem Sommer ausgewertet werden.

Das Bundesgesundheitsministerium hat seinen Hitzeschutzplan 2025 durch eine Roadmap weiterentwickelt. Sie betont die Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Einrichtungen. Ein bundesweit einheitlicher, vollständig verbindlicher Hitzeschutzplan für jede einzelne Einrichtung besteht daraus jedoch nicht automatisch.

Für Pflegeeinrichtungen wurden 2024 bundeseinheitliche Empfehlungen zum Einsatz von Hitzeschutzplänen entwickelt.

Welche Personen gelten als besonders gefährdet?

Einrichtungen sollten gefährdete Personen systematisch erfassen. Zu den Risikogruppen gehören insbesondere:

  • Menschen über 75 Jahre
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Menschen mit Demenz
  • Personen mit eingeschränkter Mobilität
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Menschen mit Lungen- oder Nierenerkrankungen
  • Personen mit Diabetes
  • Menschen mit psychischen oder neurologischen Erkrankungen
  • Menschen, die nicht selbstständig trinken können
  • Patientinnen und Patienten nach Operationen
  • Menschen mit mehreren gleichzeitig eingenommenen Medikamenten

Die Einstufung sollte nicht allein nach Alter erfolgen. Entscheidend sind der Gesundheitszustand, die Medikation, die Selbstständigkeit und die tatsächliche Hitzeexposition.

Sofortmaßnahmen bei angekündigter Hitze

DWD-Hitzewarnungen nutzen

Das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes kann als Auslöser für einrichtungsinterne Maßnahmen dienen. Warnungen sollten nicht nur bei der Einrichtungsleitung ankommen, sondern über eine festgelegte Kommunikationskette alle relevanten Bereiche erreichen.

Dazu gehören:

  • Pflege und ärztlicher Dienst
  • Haustechnik
  • Küche
  • Therapie
  • Reinigung
  • Verwaltung
  • Nacht- und Bereitschaftsdienste

Informationen zur Einbindung der Warnmeldungen bietet das Hitzeservice-Portal.

Raumtemperaturen messen

Temperaturen sollten in besonders belasteten Bereichen regelmäßig kontrolliert werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Patientenzimmer in oberen Etagen
  • Zimmer mit Süd- oder Westausrichtung
  • Gemeinschaftsräume
  • Therapieräume
  • Medikamentenlager
  • Küchen und Arbeitsbereiche
  • Räume ohne ausreichende Verschattung

Nicht nur die Tageshöchsttemperatur ist wichtig. Bleiben Räume nachts warm, kann sich der Körper schlechter erholen.

Trinkmanagement organisieren

Getränke müssen sichtbar, erreichbar und regelmäßig angeboten werden. Bei gefährdeten Personen kann eine dokumentierte Trinkbegleitung sinnvoll sein.

Dabei sind medizinische Einschränkungen zu beachten. Menschen mit bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen dürfen ihre Trinkmenge möglicherweise nicht unbegrenzt erhöhen. Die individuelle Empfehlung muss ärztlich geklärt werden.

Tagesabläufe anpassen

Körperlich belastende Aktivitäten sollten möglichst in kühlere Tageszeiten verlegt werden. Dazu können gehören:

  • Mobilisation
  • Physiotherapie
  • Spaziergänge
  • Körperpflege
  • Transporte
  • anstrengende Untersuchungen

Das bedeutet nicht, medizinisch notwendige Versorgung aufzuschieben. Vielmehr sollen vermeidbare Belastungen reduziert werden.

Kühle Rückzugsräume schaffen

Nicht jedes Zimmer lässt sich kurzfristig ausreichend kühlen. Einrichtungen sollten deshalb prüfen, ob einzelne Räume gezielt als kühlere Aufenthaltsbereiche genutzt werden können.

Solche Räume benötigen:

  • verlässliche Kühlung oder geringe Wärmebelastung
  • ausreichende Sitz- und Liegemöglichkeiten
  • gute Erreichbarkeit
  • Getränke
  • Betreuung
  • barrierefreie Zugänge

Ein „Cool Room“ ersetzt keine grundlegende Gebäudesanierung, kann aber kurzfristig besonders gefährdete Menschen schützen.

Bauliche Maßnahmen: Hitze möglichst draußen halten

Außenliegender Sonnenschutz

Außenliegende Raffstores, Rollläden, Markisen oder Sonnensegel halten einen Teil der Sonnenstrahlung ab, bevor sie durch die Fenster in den Raum gelangt.

Innenliegende Vorhänge können Blendung reduzieren, sind beim Wärmeschutz jedoch häufig weniger wirksam, weil die Strahlung bereits durch das Fenster in das Gebäude gelangt ist.

Bei der Planung sind unter anderem zu beachten:

  • Windstabilität
  • Brandschutz
  • Flucht- und Rettungswege
  • Bedienbarkeit
  • Wartung
  • Hygiene
  • Tageslichtversorgung

Sonnenschutzverglasung und Fensterfolien

Sonnenschutzglas oder geeignete Folien können den Wärmeeintrag reduzieren. Vor dem Einsatz muss jedoch geprüft werden, ob das vorhandene Glas dafür geeignet ist.

Außerdem können sich verändern:

  • Tageslichteinfall
  • Farbwahrnehmung
  • Blendwirkung
  • Sicht nach außen
  • thermische Belastung der Scheiben

Pauschale Einsparwerte oder feste Amortisationszeiten sind deshalb nicht seriös. Sie hängen stark von Glasart, Ausrichtung, Verschattung, Gebäudenutzung und Lüftungstechnik ab.

Nachtlüftung

Wenn die Außenluft nachts ausreichend kühler ist, kann intensive Nachtlüftung gespeicherte Wärme aus dem Gebäude entfernen.

In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen müssen dabei jedoch zusätzliche Anforderungen berücksichtigt werden:

  • Einbruchschutz
  • Lärmbelastung
  • Infektionsschutz
  • Patientensicherheit
  • Sturz- und Weglaufgefahr
  • Brandschutz
  • Funktion vorhandener Lüftungsanlagen

Eine automatisierte Nachtlüftung kann sinnvoll sein, muss aber fachgerecht geplant werden.

Dächer und Fassaden

Dachbegrünungen, reflektierende Dachoberflächen, Fassadenbegrünungen und Verschattung durch Bäume können die Aufheizung eines Gebäudes und seines Umfeldes reduzieren.

Dachbegrünungen bieten zusätzliche Vorteile:

  • Rückhalt von Regenwasser
  • Schutz der Dachabdichtung
  • Verbesserung des Mikroklimas
  • Förderung der Artenvielfalt

Vor einer Umsetzung sind unter anderem Statik, Brandschutz, Abdichtung, Entwässerung und Pflegeaufwand zu prüfen.

Aktive Kühlung sinnvoll planen

An besonders sensiblen Stellen kann eine technische Kühlung notwendig sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Intensivbereiche
  • Neonatologie
  • bestimmte OP- und Aufwachbereiche
  • besonders belastete Patientenzimmer
  • Medikamenten- und Technikräume
  • Aufenthaltsräume gefährdeter Bewohner

Eine pauschale Vollklimatisierung jedes Gebäudes ist nicht automatisch die wirtschaftlichste oder nachhaltigste Lösung. Sinnvoll ist eine abgestufte Strategie:

  1. Wärmeeintrag vermeiden
  2. passive Kühlung und Nachtlüftung nutzen
  3. besonders gefährdete Räume priorisieren
  4. effiziente technische Kühlung ergänzen
  5. Energieverbrauch laufend überwachen

Kühlsysteme müssen zudem so ausgelegt sein, dass das Stromnetz und die Notstromversorgung nicht überlastet werden.

Hitzeschutz für die Beschäftigten

Hitzeschutz darf sich nicht ausschließlich auf Patientinnen und Bewohner konzentrieren. Pflegekräfte, Ärzte, Therapeuten, Reinigungskräfte und technisches Personal arbeiten teilweise körperlich schwer und tragen Schutzkleidung.

Geeignete Maßnahmen sind:

  • zusätzliche Trinkmöglichkeiten
  • angepasste Pausenregelungen
  • kühle Pausenräume
  • leichtere geeignete Arbeitskleidung
  • Verlagerung schwerer Tätigkeiten
  • zusätzliche Personalreserven
  • Unterweisung zu Hitzesymptomen
  • arbeitsmedizinische Beratung

Bereits vorhandener Personalmangel in der Pflege kann die Umsetzung erschweren. Gerade deshalb müssen Aufgaben und Verantwortlichkeiten vor einer Hitzewelle klar verteilt werden.

Welche Rolle spielt Digitalisierung?

Digitale Anwendungen können Hitzeschutz unterstützen, ersetzen aber keine baulichen und organisatorischen Maßnahmen.

Sinnvolle Einsatzmöglichkeiten sind:

  • automatische Weiterleitung von DWD-Warnungen
  • digitale Raumtemperaturmessung
  • Warnmeldungen bei kritischen Temperaturwerten
  • dokumentierte Trink- und Beobachtungspläne
  • Kennzeichnung besonders gefährdeter Personen
  • telemedizinische Rücksprache
  • digitales Energie- und Gebäudemanagement
  • Auswertung hitzebedingter Zwischenfälle

Dabei müssen Datenschutz, Ausfallsicherheit und eine verständliche Bedienung gewährleistet sein. Ein digitales Warnsystem bringt wenig, wenn unklar bleibt, wer nach einer Warnung handeln muss.

Telemedizin bei Hitze

Telemedizin kann an heißen Tagen bestimmte Wege vermeiden. Verlaufskontrollen oder Beratungsgespräche können teilweise digital stattfinden.

Sie eignet sich jedoch nicht für jeden Fall. Bei akutem Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Atemnot, Brustschmerzen oder Verdacht auf einen Hitzschlag ist eine unmittelbare medizinische Beurteilung erforderlich.

Telemedizin ist daher eine Ergänzung und kein Ersatz für erreichbare Notfall- und Präsenzversorgung.

Wirtschaftlichkeit richtig bewerten

Die Kosten und Einsparungen von Hitzeschutzmaßnahmen hängen stark vom jeweiligen Gebäude ab. Allgemeine Beispielrechnungen können eine erste Orientierung bieten, aber keine Investitionsentscheidung ersetzen.

Zu berücksichtigen sind:

  • Zustand und Alter des Gebäudes
  • Dach- und Fassadenflächen
  • Fensteranteil und Ausrichtung
  • vorhandene Lüftungs- und Kühltechnik
  • lokale Klimadaten
  • Nutzung der Räume
  • Strom- und Betriebskosten
  • Wartung
  • Lebensdauer
  • mögliche Förderungen
  • gesundheitlicher Nutzen
  • vermiedene Betriebsausfälle

Auch Maßnahmen mit einer langen rein energetischen Amortisationszeit können sinnvoll sein, wenn sie gleichzeitig Patientensicherheit, Arbeitsbedingungen, Gebäudeschutz und Versorgungssicherheit verbessern.

Für größere Vorhaben sollte eine objektspezifische Gebäude- und Wirtschaftlichkeitsanalyse erstellt werden.

Ein 8-Punkte-Plan für Einrichtungen

1. Verantwortlichkeit festlegen

Eine verantwortliche Person und ein interdisziplinäres Hitzeschutzteam benennen. Beteiligt sein sollten mindestens Pflege, Medizin, Haustechnik, Hygiene und Verwaltung.

2. Gefährdung analysieren

Besonders warme Räume, gefährdete Personen, kritische Arbeitsbereiche und technische Schwachstellen erfassen.

3. Warnsystem einrichten

DWD-Warnungen abonnieren und eine verbindliche Informations- und Eskalationskette festlegen.

4. Maßnahmen nach Warnstufen definieren

Für jede Warnstufe schriftlich festlegen, welche Maßnahmen beginnen und wer sie ausführt.

5. Beschäftigte schulen

Warnzeichen, Sofortmaßnahmen, Trinkmanagement, Medikamentenrisiken und Notfallabläufe regelmäßig vermitteln.

6. Bauliche Sofortmaßnahmen umsetzen

Verschattung, funktionsfähige Fenster, sichere Nachtlüftung und kühle Aufenthaltsräume priorisieren.

7. Mittelfristigen Investitionsplan erstellen

Gebäudehülle, Dach, Fassade, Lüftung, Kühlung und Energieversorgung gemeinsam betrachten.

8. Wirkung überprüfen

Nach jeder Hitzeperiode auswerten:

  • maximale Raumtemperaturen
  • hitzebedingte Zwischenfälle
  • zusätzliche Krankenhauseinweisungen
  • Flüssigkeitsmangel und Stürze
  • Belastung der Beschäftigten
  • Energieverbrauch
  • Funktionsfähigkeit der Warnkette

Zeitplan für die praktische Umsetzung

Innerhalb von 30 Tagen

  • Hitzeschutzbeauftragte benennen
  • DWD-Hitzewarnungen einrichten
  • Risikopersonen identifizieren
  • Trink- und Beobachtungspläne vorbereiten
  • Raumtemperaturen messen
  • kühle Rückzugsräume festlegen
  • Beschäftigte kurz schulen

Innerhalb von 6 bis 12 Monaten

  • außenliegenden Sonnenschutz priorisieren
  • Lüftungskonzept prüfen
  • automatisierte Temperaturüberwachung einführen
  • Medikamenten- und Lagerungskonzepte anpassen
  • Hitzeschutz in Qualitäts- und Notfallmanagement aufnehmen
  • Finanzierung und Fördermöglichkeiten prüfen

Langfristig

  • Gebäudehülle energetisch und klimatisch sanieren
  • effiziente Kälteversorgung aufbauen
  • Dächer und Fassaden klimaresilient gestalten
  • Außenflächen entsiegeln und verschatten
  • Notstrom- und Energieversorgung anpassen
  • Hitzeschutz bei jedem Umbau verbindlich berücksichtigen

Fazit

Hitzeschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist eine dauerhafte Aufgabe. Trinkpläne, DWD-Warnungen und kühle Rückzugsräume können kurzfristig helfen. Langfristig benötigen viele Einrichtungen jedoch bauliche Veränderungen, zuverlässige Kühlkonzepte und eine gesicherte Finanzierung.

Die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft genannten 31 Milliarden Euro verdeutlichen den geschätzten Investitionsbedarf für klimaresiliente und klimaneutrale Krankenhäuser. Sie stellen bislang jedoch kein beschlossenes, vollständig finanziertes Förderprogramm dar.

Erfolgreiche Klimaanpassung verbindet medizinische Vorsorge, Arbeitsschutz, Gebäudeplanung, Technik und Digitalisierung. Entscheidend ist, dass Verantwortlichkeiten vor der nächsten Hitzewelle feststehen – nicht erst dann, wenn Patientenzimmer bereits überhitzt sind.

Verlässliche Quellen

Zuletzt fachlich geprüft am 01.08.2026.

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